Meine Open Chapter Reise – Teil 1: Der Anfang mit ein paar Stolpersteinen

Im November 2025 stand ich an einem Punkt, an dem klar war: Meine Zeit als Zeitarbeiterin im Heilpädagogischen Hort ist vorbei. Ehrlich gesagt hatte sich das schon länger angedeutet – und als es dann so weit war, war da neben allem anderen auch ein Gefühl von Erleichterung.

In den Monaten davor ging es mir zunehmend schlechter, und ich habe etwas Wichtiges über mich gelernt: Der Beruf, den ich drei Jahre lang studiert hatte, passt einfach nicht zu mir. Das erst einmal zu akzeptieren, war ein Prozess für sich.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Finanziell sah es nicht rosig aus – eine Umschulung aus eigener Tasche zu finanzieren, war keine Option. Also setzte ich meine Hoffnung auf Unterstützung vom Arbeitsamt. Ein Bildungsgutschein wäre die perfekte Lösung gewesen. Leider zählt mein ursprünglich erlernter Beruf zu den systemrelevanten Berufen, weshalb mir eine Förderung für ein neues Studium oder Ähnliches nicht bewilligt wurde.

Ich hatte also schon während meiner Anstellung im heilpädagogischen Hort etliche Bewerbungen für ganz unterschiedliche Quereinsteigerjobs geschrieben – am Ende blieben davon nur Absagen übrig.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Was mir aber immer wieder begegnete, waren positive Rückmeldungen zu meinen handwerklichen Fähigkeiten. Daraus entstand die Idee: Warum nicht eine eigene Website aufbauen und mir damit etwas dazuverdienen – vielleicht sogar genug, um mir eines Tages doch noch eine Weiterbildung leisten zu können?

Gesagt, getan: Ich habe eine Domain gekauft, mich intensiv mit dem Grunddesign beschäftigt und war unglaublich stolz, als die Website endlich online ging. Die Vorfreude war groß.

Stolperstein Nr. 1: Die Website ging offline, bevor sie richtig online war

Kurz nachdem die Seite live war, machte mich mein Onkel auf etwas Entscheidendes aufmerksam: Eine Website braucht zwingend rechtliche Seiten – Impressum, Datenschutzerklärung, AGB. Und das ist kein Kleinkram: Es gibt spezialisierte Anwälte, die genau nach fehlerhaften oder unvollständigen rechtlichen Inhalten suchen. Fehlt etwas oder ist es falsch formuliert, kann das teuer werden.

Diese Erkenntnis hat mich erst einmal ordentlich verunsichert – ich habe die Website vorsichtshalber wieder offline genommen. Die folgende Zeit habe ich genutzt, um mich gründlich mit den Anforderungen an diese rechtlichen Seiten auseinanderzusetzen.

Stolperstein Nr. 2: Keine Website ohne Impressum, kein Impressum ohne Gewerbe

Dabei wurde schnell klar: Für ein rechtssicheres Impressum brauchte ich ein angemeldetes Gewerbe. Also machte ich einen Termin beim Bürgeramt und meldete mein Gewerbe zum 01.02.2026 an – für 30 € war ich plötzlich stolze Inhaberin eines eigenen Gewerbes.

Die Freude währte allerdings nur einen Tag: Mir wurde erklärt, dass „Open Chapter Design" als alleinstehender Name für ein Einzelunternehmen nicht rechtssicher sei, da bei Einzelunternehmen der Name der Inhaberin im Gewerbenamen auftauchen muss. Also zurück zum Bürgeramt. Dort erklärte mir eine freundliche Mitarbeiterin zwar, dass das so pauschal nicht stimme und „Open Chapter Design" durchaus stehen bleiben könnte – aber um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, entschied ich mich trotzdem für die Änderung.

Seitdem heißt es offiziell: Michelle Gleich – Open Chapter Design. Ein Name, der ehrlich gesagt manchmal etwas lang für so manches Formularfeld ist – aber dafür wasserdicht.

Zwischenfazit

Mit angepasster Website und korrektem Gewerbenamen ging ich erneut online – in der Hoffnung, dass die größten Hürden erst einmal genommen waren. Und im Rückblick würde ich es genauso wieder machen: einfach anfangen, auch wenn noch nicht alles perfekt durchdacht ist. Hätte ich gewartet, bis ich jedes rechtliche Detail vorher zu 100 % im Griff gehabt hätte, würde es Open Chapter Design heute vielleicht gar nicht geben.

Die Stolpersteine mit Impressum und Gewerbename haben mich zwar kurz ausgebremst, aber sie gehörten einfach dazu – so wie es eben ist, wenn man ins kalte Wasser springt statt ewig am Beckenrand zu stehen. Mir ist dabei auch klar geworden: Man kann unmöglich alle Regeln und Vorschriften im Kopf haben, bevor man startet. Es gibt einfach so viele davon, und manche wirken auf den ersten Blick auch gar nicht logisch oder leicht verständlich – sie sind eben einfach so vorgeschrieben. Das ist okay. Man muss nicht alles vorher wissen, um loszulegen – man findet es unterwegs heraus.